Ich habe meinen Kameragurt jahrelang falsch an der Kamera befestigt und habe dadurch die Kamera unnötig einer Bruch-Gefahr ausgesetzt. Das üble daran ist, dass Du das sicher auch schon immer falsch gemacht hast! Lese hier weiter warum…
Neulich habe ich in einem Canon Carecenter Video eine Empfehlung gesehen, die den Kameragurt komplett anders befestigt als ich es jemals getan habe! Das hat mich etwas aufgerüttelt und ich habe ein wenig recherchiert.
Du hast sicher ähnlich wie ich, immer die rechte Befestigungsart genommen, die auch bei Rucksäcken, Taschen und Seilen üblich ist. Dabei ist diese Art den Kameragurt zu befestigen laut Nikon und Canon total falsch!
So so befestigt findet man viele Kameras in "freier Wildbahn"

So soll man den Kameragurt laut Canon befestigen

Hier ist ein Video, in den eine Mitarbeiterin des Canon Carecenters die "richtige" Kameragurtbefestigung beschreibt:
So soll man laut Nikon den Kameragurt befestigen

So befestigt Ihr den Kameragurt nach Nikon Art
Hier ist eine Schritt für Schritt Einfädel-Hilfe, da es aus dem Video wirklich nicht deutlich wird!
Warum die Knotenart überhaupt einen Unterschied macht
Der Gurt hält nicht durch den Knoten allein, sondern durch Reibung. Das Gurtband läuft durch die Schnalle, wird umgelenkt und klemmt sich unter Zug selbst fest. Je mehr Umlenkungen und je mehr Fläche aufeinander liegt, desto weniger kann durchrutschen.
Genau hier unterscheiden sich die beiden Varianten. Bei der Canon-Version geht das Bandende zuerst durch die Öse und dann durch die Schnalle. Bei der Nikon-Version wird es zusätzlich unter dem bereits liegenden Band hindurchgeführt. Dadurch presst der Zug am Gurt die beiden Lagen aufeinander, statt nur an der Schnalle zu ziehen. Das ist der Grund, warum sich die Nikon-Variante beim Tragen eher festzieht als lockert.
Der zweite Punkt ist das lose Ende. Ein Zipfel, der heraushängt, ist nicht nur unschön, er kann sich auch an Rucksackriemen, Zäunen oder Autotüren verhaken. Wer das Ende sauber unter die Schlaufe legt, hat beides erledigt.
Woran ein Gurt wirklich reißt
In der Praxis geht selten das Gurtband kaputt. Die Schwachstellen sind andere:
- Die Dreiecksringe an älteren Kameras. Viele Gehäuse haben statt fester Ösen einen kleinen Metallring mit Schutzkappe. Der Ring ist oft nur gebogen, nicht verschweißt, und kann sich unter Dauerlast aufbiegen. Wer eine solche Kamera hat, sollte die Ringe regelmäßig anschauen.
- Die Schutzkappe. Sie sitzt zwischen Ring und Gehäuse und verhindert, dass das Metall am Kameralack scheuert. Fehlt sie oder ist sie gerissen, arbeitet der Ring direkt am Gehäuse.
- Die Naht am Bandende. Günstige Gurte haben hier eine einfache Steppnaht. Wenn dort Fäden abstehen, wird es Zeit für einen neuen Gurt.
- Schnellwechsel-Systeme mit Schraubgewinde. Alles, was ins Stativgewinde geschraubt wird, kann sich beim Tragen langsam losdrehen. Einmal im Monat nachziehen kostet nichts.
Mein Rhythmus dafür ist simpel: Immer wenn ich den Sensor reinige oder die Kamera nach einer längeren Tour auspacke, gehen kurz beide Aufhängungen durch die Finger. Am Band ziehen, Ring ansehen, Zipfel prüfen. Das dauert zehn Sekunden.
Vor der ersten längeren Tour
Wer den Gurt neu eingefädelt hat, sollte ihn nicht direkt mit der Kamera am Hals durch die Gegend tragen. Ich hänge die Kamera erst einmal über dem Bett oder dem Sofa auf und ziehe kräftig am Gurt. Rutscht nichts durch, sitzt der Knoten.
Und noch ein Hinweis, der oft untergeht: Beide Seiten müssen gleich eingefädelt sein. Es passiert schneller als man denkt, dass man die erste Seite sauber nach Nikon-Art knotet und bei der zweiten dann doch wieder in die alte Gewohnheit rutscht.
Alternativen zum Standard-Kameragurt des Herstellers
Wer den Knoten gar nicht erst binden will, kommt um das Einfädeln trotzdem nicht ganz herum. Die heute übliche Lösung heißt Schnellverschluss: Eine dünne Schnur mit einem kleinen Anker wird einmal durch die Öse gefädelt und bleibt dort. Der Gurt selbst klickt sich in diesen Anker ein und lässt sich per Knopfdruck wieder lösen. Geknotet wird also nur noch ein einziges Mal.
Drei Gurte, die das unterschiedlich angehen:
VKO Kameragurt im Kletterseil-Design
VKORundes Nylonseil von rund neun Millimetern Durchmesser statt flachem Gurtband, insgesamt etwa 116 Zentimeter lang. Die Enden sitzen in Schnellverschluss-Ankern, die in die Ösen der Kamera eingefädelt werden und sich per Knopfdruck vom Gurt lösen lassen. Die Verbindungsstellen sind mit Leder gefasst, die Belastung gibt der Hersteller mit 50 Kilogramm an. Für große Gehäuse mit schwerem Objektiv empfiehlt VKO den Gurt ausdrücklich nicht.
- Rundes Seil drückt weniger als flaches Gurtband
- Anker passen zu gängigen Schnellwechsel-Clips
- Lässt sich klein zusammenrollen
- Länge ab Werk fest, für große Menschen eher lang
- Für schwere Ausrüstung nicht vorgesehen
Schaut man sich die Rezensionen und Erfahrungsberichte im Web genauer an, ergibt sich ein recht einheitliches Bild: Gelobt wird vor allem, dass das Seil das Gewicht gut auf der Schulter verteilt und auch auf längeren Touren keine Druckstellen hinterlässt. Der Schnellverschluss gilt als sicher und schnell bedienbar. Mehrfach genannt wird, dass die Clips zu verbreiteten Halterungen anderer Hersteller passen. Kritik gibt es an der Länge, die manchen zu großzügig ausfällt, und daran, dass sich die Ansatzpunkte gelegentlich verdrehen. Bei einzelnen Kameras sind die Anker-Schnüre zu dick für die Ösen, dafür liegen Zwischenringe bei.
Der zweite ist ein anderer Fall. Er wird eingehängt statt eingefädelt, braucht dafür aber deutlich größere Ösen, als eine Kamera sie hat. An der Fototasche ist er richtig aufgehoben, an der Kamera meistens nicht.
ZINZ Universal-Taschengurt mit Drehhaken
ZINZStreng genommen kein Kameragurt, sondern ein Ersatzgurt für Taschen. Er wird nicht eingefädelt, sondern mit zwei Drehhaken aus Aluminium eingehängt, die sich um 360 Grad mitdrehen. Voraussetzung sind D-Ringe oder ähnlich große Ösen, an Kameras selbst passen die Haken meist nicht. Die Länge reicht von 94 bis 145 Zentimetern, das gepolsterte Schulterstück ist fest mit dem Band verbunden und lässt sich nicht verschieben.
- Einhängen statt einfädeln, Wechsel in Sekunden
- Breiter Verstellbereich von 94 bis 145 cm
- Passt an Foto-, Werkzeug- und Reisetaschen gleichermaßen
- Braucht D-Ringe, an Kamera-Ösen passen die Haken meist nicht
- Polster sitzt fest und lässt sich nicht positionieren
Schaut man sich die Rezensionen und Erfahrungsberichte im Web genauer an, ergibt sich ein recht einheitliches Bild: Die Rückmeldungen stammen überwiegend von Taschen aller Art, von der Werkzeugtasche bis zum Instrumentenkoffer. Gelobt werden die stabilen Metallhaken und das dicke Polster, das nicht verrutscht. Genau dieses fest sitzende Polster wird von anderen als Nachteil beschrieben, weil sich der Auflagepunkt nicht verschieben lässt. Bei schwerem Gepäck berichten einzelne davon, dass der Gurt von der Schulter rutscht.
Und wenn das Gewicht das eigentliche Thema ist, hilft weder ein anderer Knoten noch ein anderer Verschluss, sondern schlicht mehr Auflagefläche auf der Schulter.
PGYTECH Schultergurt, 4,5 cm breit
PGYTECHBreiter Gurt mit gepolstertem Schulterstück, verstellbar von 110 bis 152 Zentimetern und mit 139 Gramm noch leicht. Tragbar als Schulter-, Nacken- oder Slinggurt. Die Besonderheit steckt im Anker: Er ist als Kugel ausgeführt und kann sich frei drehen, wodurch sich die Schnüre beim Tragen nicht verdrillen. Die Länge lässt sich einhändig ändern, zwei Dreiecksclips für Kameras ohne passende Ösen liegen bei. Belastbar bis 90 Kilogramm.
- Drehbarer Anker, die Schnüre verdrehen sich nicht
- Breite Auflage und Polster, auch bei schwerem Gerät
- Länge einhändig verstellbar, von 110 bis 152 cm
- Auch die kürzeste Einstellung ist für kleine Personen noch lang
- Der kugelförmige Anker kann bei abgenommenem Gurt in der Hand stören
Schaut man sich die Rezensionen und Erfahrungsberichte im Web genauer an, ergibt sich ein recht einheitliches Bild: Am häufigsten genannt wird der Tragekomfort: Das breite Polster schneidet auch nach Stunden nicht ein, und der Gurt rutscht kaum, selbst auf glatten Stoffen. Der drehbare Anker wird ausdrücklich als Vorteil gegenüber flachen Ankern beschrieben, weil das lästige Entwirren entfällt. Wer von einem bekannten Mitbewerber umgestiegen ist, nennt zudem das flexiblere Gurtmaterial, das sich leichter in der Tasche verstauen lässt. Kritisch angemerkt werden die Kunststoffversteller und die Mindestlänge.
Am Prinzip aus dem oberen Teil ändert all das nichts. Auch ein Anker sitzt in derselben Öse, an der sonst der Knoten hängt, und auch seine Schnur scheuert mit der Zeit. Der kurze Griff an die Aufhängung vor der Tour bleibt.







Kommentare (7)
Danke schon mal!
Das hab ich jetzt gut 35 Jahre lang falsch gemacht. Allerdings hat sich auch noch nie etwas gelöst, aber schöner ist die Nikon-Variante allemal. Und das sogar an meiner Olympus OM-D! ;-)
Die Nikon Varinate ist Klasse!
Vorab schon mal vielen Dank!
Thomas