Irgendwann ist der Punkt erreicht. Auf dem Display klebt ein Fingerabdruck, auf der Frontlinse sitzt Staub, und beim Blick durch den Sucher ahnt man schon, dass am Sensor auch etwas hängt. Dann greifen die meisten zum nächstbesten Tuch, und genau da fangen die Probleme an.
Reinigen ist bei einer Kamera weniger eine Frage der Mittel als der Reihenfolge. Wer sie einhält, kommt mit erstaunlich wenig Ausrüstung aus. Wer sie ignoriert, verkratzt im ungünstigsten Fall die Vergütung eines Objektivs, das ein Vielfaches des Reinigungssets gekostet hat.
Die goldene Regel: erst Luft, dann alles andere
Staub auf Glas ist nicht weich. Es sind kleine, harte Partikel, oft mineralisch, manchmal mit scharfen Kanten. Wer mit einem Tuch darüberwischt, schiebt sie über die Oberfläche. Genau so entstehen die feinen Kratzspuren, die man später bei Gegenlicht als Schleier sieht.
Deshalb gilt in jeder Reihenfolge: Was sich wegblasen lässt, wird weggeblasen. Erst wenn nichts Loses mehr da ist, kommt ein Tuch ins Spiel.
Und dabei bitte kein Mund. Menschliche Atemluft transportiert Feuchtigkeit und winzige Speicheltröpfchen mit, die auf einer vergüteten Linse Flecken hinterlassen. Auch die Druckluftdose aus dem Baumarkt ist keine gute Idee: Der Druck ist zu hoch für Verschlusslamellen, und bei Schräghaltung tritt Treibmittel als Flüssigkeit aus.
VSGO Blasebalg mit Staubfilter
VSGOEin Blasebalg aus weichem Silikon mit zwei Besonderheiten. Am Lufteinlass sitzt ein Filter, damit das Gerät beim Zusammendrücken keinen Staub ansaugt und beim nächsten Druck wieder auf den Sensor pustet. Und der Boden ist als Stehaufmännchen geformt, der Balg kippt also nicht um und legt sich nicht mit der Düse in den Dreck.
- Filter am Einlass, saugt keinen Staub an
- Steht von allein, Düse bleibt sauber
- Passt in jede Fototasche
- Teurer als ein einfacher Balg ohne Filter
- Ersetzt keine Nassreinigung bei fest sitzendem Schmutz
Schaut man sich die Rezensionen und Erfahrungsberichte im Web genauer an, ergibt sich ein recht einheitliches Bild: Gelobt werden vor allem der kräftige Luftstoß trotz der kompakten Größe und die Handlichkeit. Mehrfach genannt wird, dass er in jeden Kamerarucksack passt und zum Ausblasen des Sensors taugt. Auch der Staubfilter wird als sinnvoll beschrieben, weil die ausgestoßene Luft dadurch sauber bleibt.
Der Sensor: die meiste Panik ist unbegründet
Wenn dunkle Flecken immer an derselben Stelle im Bild auftauchen und mit kleiner Blende deutlicher werden, sitzt Staub auf dem Sensor. Genauer gesagt auf dem Filterglas davor, denn den Sensor selbst berührt man nie.
Der erste Schritt ist immer die eingebaute Sensorreinigung im Kameramenü, die den Filter kurz in Schwingung versetzt. Danach hilft der Blasebalg: Kamera mit dem Bajonett nach unten halten, damit der gelöste Staub herausfällt statt sich neu zu setzen, den Spiegel hochklappen beziehungsweise den Reinigungsmodus wählen, und ein paar kurze Stöße Luft. Die Düse bleibt dabei außerhalb des Bajonetts, sie wird nie hineingesteckt.
Neunzig Prozent aller Sensorflecken sind damit erledigt. Was bleibt, sind Rückstände, die kleben: Pollen im Frühjahr, feiner Ölnebel aus dem Verschluss bei älteren Gehäusen, gelegentlich ein Spritzer Salzwasser. Dafür braucht es die Nassreinigung mit Swabs.
Wichtig ist die Breite. Swabs gibt es in 24 Millimetern für Vollformat und in 16 Millimetern für APS-C. Ein zu schmales Stäbchen erreicht die Ränder nicht und schiebt den Schmutz nur zur Seite, ein zu breites passt nicht in die Sensorkammer.
K&F Sensor-Swabs für Vollformat, 24 mm
K&F CONCEPTZehn Reinigungsstäbchen mit Mikrofaserkopf in 24 Millimetern Breite, passend für Vollformat-Sensoren, dazu 20 ml Reinigungsflüssigkeit. Jedes Stäbchen ist einzeln vakuumverpackt, damit es bis zur Anwendung staubfrei bleibt. Die Breite muss zum Sensor passen: 24 mm für Vollformat, 16 mm für APS-C. Ein zu schmales Stäbchen schiebt den Schmutz nur an den Rand.
- Einzeln vakuumverpackt, jedes Stäbchen ist frisch
- Weicher Mikrofaserkopf statt starrem Vlies
- Flüssigkeit liegt in passender Menge bei
- Nur für Vollformat, APS-C braucht die 16-mm-Variante
- Erfordert eine ruhige Hand und einen sauberen Arbeitsplatz
Der Ablauf ist unspektakulär: Akku voll laden, Reinigungsmodus wählen, zwei Tropfen Flüssigkeit auf das Stäbchen, in einem Zug von links nach rechts ziehen, wenden, in einem Zug zurück. Jedes Stäbchen wird genau einmal verwendet. Danach ein Testbild gegen eine helle, gleichmäßige Fläche bei Blende 16, dann sieht man sofort, ob noch etwas übrig ist.
Wer sich das nicht zutraut, lässt es. Eine Sensorreinigung beim Fachhändler kostet etwa 40 bis 60 Euro und ist damit günstiger als ein zerkratztes Filterglas.
Objektive: weniger ist mehr
Bei der Frontlinse gilt dasselbe Prinzip. Erst Luft, dann ein weicher Pinsel für das, was hängen bleibt, und erst danach ein Tuch. Beim Wischen kreisend von der Mitte nach außen arbeiten, nicht hin und her, damit der gelöste Schmutz nach außen wandert statt zurück ins Zentrum.
Flüssigkeit kommt nie direkt auf die Linse, sondern immer auf das Tuch. Sonst läuft sie an den Rand und kriecht unter die Fassung, wo sie niemand mehr herausbekommt und wo sie den Kleber angreifen kann.
Für den Alltag reicht ein Mikrofasertuch. Wichtig ist nur, dass es sauber bleibt: In der Hosentasche sammelt es genau die Partikel, die man von der Linse fernhalten will. Waschen ja, aber ohne Weichspüler, der hinterlässt einen Film.
K&F 15-in-1 Reinigungsset für Objektive
K&F CONCEPTDas Rundum-Set für die Optik: Reinigungsstift mit Kohlepad, kleiner Blasebalg, 60 ml Reinigungsflüssigkeit, zwei große Mikrofasertücher mit 40 mal 40 Zentimetern, drei kleine Tücher und sechs einzeln verpackte Feuchttücher, dazu ein Pinsel. Die Flüssigkeit ist ammoniakfrei, greift die Vergütung also nicht an. Für den Sensor ist das Set nicht gedacht, dafür braucht es Swabs in der passenden Breite.
- Deckt Frontlinse, Filter und Display in einem Set ab
- Feuchttücher einzeln verpackt, trocknen nicht aus
- Ammoniakfreie Flüssigkeit, schont die Vergütung
- Nichts davon geht an den Sensor
- Der beiliegende Balg ist kleiner als ein separater
Ein Wort zum Schutzfilter: Wer einen aufschraubt, reinigt in erster Linie den Filter statt der Linse. Das nimmt den Druck aus der Sache, denn ein zerkratzter Filter kostet zwanzig Euro und nicht siebenhundert.
Was der Ausrüstung schadet
Einige verbreitete Hausmittel richten mehr Schaden an als der Schmutz, den sie entfernen sollen:
- Brillenputztücher aus der Drogerie. Sie enthalten oft Alkohol in Konzentrationen, die für Kunststoffbrillengläser gedacht sind, nicht für vergütetes Glas.
- Glasreiniger. Ammoniak greift die Vergütung an. Einmal matt, immer matt.
- Papiertaschentücher. Zellstoff ist deutlich härter als Mikrofaser und enthält Holzschliff.
- Das eigene T-Shirt. Der Klassiker, und der sicherste Weg zu feinen Kratzern, weil im Gewebe immer Sandkörner sitzen.
- Druckluft aus der Dose. Zu hoher Druck für Verschluss und Spiegel, dazu das Risiko von austretendem Treibmittel.
Das Gehäuse nicht vergessen
Der Body ist robuster als die Optik, aber auch dort gibt es empfindliche Stellen. Um das Bajonett herum sammelt sich Abrieb, der beim nächsten Objektivwechsel ins Gehäuse fällt. Ein feuchtes Tuch über die Bajonettfläche, bevor man wechselt, spart später Arbeit am Sensor.
Die Kontakte am Bajonett und am Akku bleiben trocken, dort genügt ein weiches Tuch. Und die Gummiabdeckungen über den Anschlüssen einmal öffnen und auswischen, dort sitzt erstaunlich viel.
Bei Kameras mit Dichtung lohnt der Blick auf die Gummilippen. Wenn dort Sand hängt, drückt er sich beim Schließen in die Dichtung und macht sie über die Jahre undicht.
Drei Dinge, die kaum jemand nutzt
Die Kamera weiß selbst, wo der Staub sitzt
In fast jeder Spiegelreflex steckt eine Funktion, die praktisch niemand einschaltet. Bei Canon heißt sie Staublöschungsdaten, bei Nikon Referenzbild für Staubentfernung. Man fotografiert damit einmal eine weiße Fläche, die Kamera merkt sich die Position jedes Staubkorns und legt diese Karte in der Bilddatei ab.
Die Herstellersoftware rechnet die Flecken beim Entwickeln dann automatisch heraus, bei Canon in Digital Photo Professional, bei Nikon in der hauseigenen Anwendung. Das ersetzt keine Reinigung, aber es rettet einen Termin, bei dem man unterwegs merkt, dass der Sensor Flecken hat und gerade kein Blasebalg dabei ist. Kostet nichts und ist in zwei Minuten eingerichtet.
Beim Objektivwechsel die Kamera ausschalten
Der Sensor liegt im Betrieb an Spannung und lädt sich statisch auf. Eine geladene Fläche zieht Staub an, und zwar genau in dem Moment, in dem das Gehäuse offen ist. Wer vor dem Wechsel ausschaltet, gibt der Ladung ein paar Sekunden zum Abbauen.
Das klingt nach Kleinkram, ist aber der Unterschied zwischen einem Sensor, den man zweimal im Jahr putzt, und einem, der ständig Flecken hat. Zusammen mit dem Trick, das Bajonett beim Wechseln nach unten zu halten, deckt das den größten Teil des Problems ab, bevor es entsteht.
Der Sensorfilm zum Abziehen
Es gibt tatsächlich das Verfahren, von dem man gelegentlich hört: ein flüssiges Polymer, das man aufträgt, trocknen lässt und als Film wieder abzieht. Es nimmt beim Abziehen alles mit, was darunter liegt. Der bekannteste Vertreter heißt First Contact und kommt aus der Teleskop- und Laboroptik, wo empfindliche Spiegel und Linsen damit gereinigt werden.
Auf Kamerasensoren wird es angewendet, ist dort aber kein Standard, und das aus zwei Gründen. Der Hersteller schränkt selbst ein, dass der Untergrund Glas sein muss und kein Kunststoff. Vor dem Sensor sitzt zwar eine Glasscheibe, aber ihre Beschichtung unterscheidet sich je nach Modell. Und der Preis liegt deutlich über dem eines Swab-Sets, für eine Anwendung, die man ein paarmal im Jahr braucht.
Ich habe es nicht ausprobiert und kann es deshalb weder empfehlen noch abraten. Wer es reizvoll findet, sollte es an einem alten Filter üben, bevor er an ein Gehäuse geht, das er noch braucht. Für den Alltag bleibt die Reihenfolge aus Luft und im Zweifel einem Swab die vernünftigere Antwort.
Und das Smartphone?
Für die meisten Fotos, die heute entstehen, gilt nichts von alledem. Am Handy ist die Lage grundlegend anders, und zwar zum Guten: Vor der Linse sitzt kein vergütetes Objektivglas, sondern eine harte Deckscheibe, bei vielen Modellen aus Saphirglas. Die verkratzt nicht, wenn man mit dem Ärmel darüberwischt. Genau deshalb macht es auch jeder so, und genau deshalb sucht kaum jemand nach einer Anleitung.
Trotzdem gibt es drei Punkte, an denen sich Bildqualität verschenken lässt.
Fingerfett ist der eigentliche Feind
Ein Handy wird ständig angefasst, und die Kamera sitzt dort, wo beim Halten der Zeigefinger liegt. Der hinterlässt einen hauchdünnen Fettfilm, den man bei normalem Licht überhaupt nicht sieht. Sobald aber eine helle Lichtquelle im Bild ist, eine Straßenlaterne, die tiefstehende Sonne, ein Fenster, streut dieser Film das Licht und legt einen milchigen Schleier über die ganze Aufnahme. Kontraste flachen ab, Lichter bekommen weiche Höfe.
Das ist mit Abstand die häufigste Ursache für Handyfotos, die man sich später anschaut und die irgendwie flau wirken, ohne dass man den Grund benennen kann. Ein kurzes Wischen mit einem trockenen Brillentuch vor dem Fotografieren löst es. Wer viel im Gegenlicht arbeitet, macht das zur Gewohnheit, so wie man die Windschutzscheibe putzt, bevor man in die Abendsonne fährt.
Bei Modellen mit mehreren Kameras fällt es besonders bei der Telelinse auf, weil deren kleinere Öffnung empfindlicher auf Streulicht reagiert. Es lohnt sich also, alle Linsen mitzunehmen und nicht nur die, die man gerade benutzt.
Beschlagene Linsen brauchen Geduld, kein Tuch
Aus der Kälte in die warme Wohnung, aus dem klimatisierten Auto in die Sommerhitze: Dabei schlägt sich Feuchtigkeit auf dem Deckglas nieder, manchmal auch dahinter. Der Reflex ist, sofort zu wischen. Das verteilt die Feuchtigkeit nur und drückt sie an den Rand des Objektivrings, wo sie länger stehen bleibt.
Besser ist warten. Wenn das Gerät Umgebungstemperatur erreicht hat, verschwindet der Beschlag von allein. Sitzt er innen, hilft ohnehin kein Tuch, dann muss das Handy einfach ein paar Stunden an einen trockenen, warmen Ort. Reis im Beutel ist übrigens ein Mythos, ein offener Platz mit Luftbewegung wirkt besser.
Womit nicht geputzt werden sollte
Auf Display und teilweise auch auf dem Kameraglas liegt eine oleophobe Beschichtung, die Fett abweisen soll. Genau die wird von scharfen Reinigern angegriffen. Glasreiniger, Fensterspray, Desinfektionsmittel mit hohem Alkoholanteil und die üblichen Haushaltsmittel haben deshalb am Handy nichts verloren. Ist die Schicht einmal abgetragen, nimmt das Gerät Fingerabdrücke deutlich schneller an als vorher, und zurück bekommt man sie nicht.
Apple selbst empfiehlt für seine Geräte ein weiches, fusselfreies Tuch, bei Bedarf leicht mit Wasser angefeuchtet. Für die Desinfektion sind Tücher mit 70 Prozent Isopropylalkohol freigegeben, aber ausdrücklich für Gehäuse und Display, nicht als tägliche Putzroutine für die Optik.
Der letzte Punkt betrifft die Hosentasche. Dort sammeln sich Flusen und feiner Sand, und beides setzt sich im Spalt zwischen Deckglas und Objektivring fest. Wer das mit dem Daumennagel herauskratzt, riskiert genau die Kratzer, die das harte Glas sonst nicht bekommt. Ein weicher Pinsel oder der Blasebalg von weiter oben erledigt das in fünf Sekunden, und damit schließt sich der Kreis: Auch am Handy gilt erst Luft, dann alles andere.
Wie oft ist oft genug?
Auf einen festen Rhythmus würde ich mich nicht festlegen. Sinnvoller ist, sich zwei Gelegenheiten anzugewöhnen: einmal nach jeder Tour, bei der Staub, Sand oder Salzluft im Spiel war, und einmal vor jedem Termin, bei dem es zählt.
Der Rest ergibt sich von selbst. Wer regelmäßig ein Testbild gegen den Himmel macht und dabei nichts sieht, muss den Sensor auch nicht anfassen. Die beste Reinigung ist die, die man nicht braucht, weil man das Objektiv beim Wechseln nach unten hält und die Kamera nicht offen in den Rucksack legt.
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