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Die Schweinsburg im Mansfelder Land
Ein 30 Meter hoher Bergfried aus rotem Sandstein, blauer Himmel dahinter, und im Vordergrund eine alte Mauer mit Flechten und Moos. So stand das vor uns, als wir Ende März die Burgruine Bornstedt erreichten. Die Bäume noch kahl, das Gras schon grün, die Sonne warm genug, um sich eine Weile hinzusetzen. Ein guter Tag für eine Ruine.
Mit uns gingen die Pferde durch
Eigentlich wollten wir nur die zwei Autos wegretouchieren, die uns auf dem schönsten Parkplatz Eislebens den Blick auf die St.-Andreas-Kirche versaut haben. Ein VW-Bus und ein Nissan vor einer 500 Jahre alten Kulisse – man muss das nicht haben.
Also rein in die KI, Pferde und Kutschen rein, diese dann bitte noch abgeranzter und natürlich die Blechkarosserien raus. Sah gleich viel besser aus. Und dann dachten wir: Wenn schon, denn schon. Wir wollen auch aufs Foto für den Freitags-Facebook-Post.
Schnelles Selfie und jetzt stehen wir als Handwerker des 16. Jahrhunderts auf dem Pflaster der Bäckergasse. Pfeife im Mund, Haube auf und Monokel dann doch wieder entfernt (Insider).
Alle drei Versionen nebeneinander – von parkenden Autos bis Zeitreise. 🐴
Übrigens hatte Matthias an diesem Tag sein neues Baby dabei: eine Canon EOS R10 mit Sigma-Objektiven. Er hat gerade sein komplettes Kamerasystem gewechselt und in seinem Blog sehr nachvollziehbar erklärt, warum er von Sony und Fujifilm auf Canon APS-C umgestiegen ist. Wer selbst vor einer ähnlichen Entscheidung steht, dem sei sein Beitrag wärmstens empfohlen.
Was die Schweinsburg ist und wo sie steht
Die Burgruine Bornstedt liegt auf einer Anhöhe des Hornburger Sattels, östlich des Dorfes Bornstedt, etwa sieben Kilometer südwestlich von Eisleben. Wir kamen direkt vom Mittagessen in Eisleben, fuhren mit dem Auto bis zum Parkplatz an der Burg. Vom Parkplatz sind es nur ein paar Schritte zur Ruine. Schon auf der Fahrt fiel auf, was diese Gegend prägt: Abraumhalden direkt neben der Straße, manchmal mit Wohnhäusern gleich daneben, auf manchen Halden ein paar junge Birken, die sich ihren Weg durch die schwarze Schlacke suchen. Das Mansfelder Land versteckt seine Bergbaugeschichte nicht.
Was einen dann erwartet: der Bergfried, Reste der Ringmauer, ein Torbereich, und die Überreste eines chorähnlichen Baus, der einmal eine Kapelle gewesen sein könnte. Dazu eine Infotafel an der Mauer, die in geschwungener Schrift die wichtigsten Jahreszahlen auflistet. Ich hab sie fotografiert, weil sie gut aussah, und mir dann in Ruhe durchgelesen.

Über 1.000 Jahre auf einer Anhöhe
Die Burg wurde laut Infotafel vor Ort um 800 erbaut, am Ende der Karolingerzeit. Um 880 taucht sie im Hersfelder Zehntverzeichnis in der Burgenliste als „Brunstediburg“ auf. In demselben Verzeichnis erscheint an anderer Stelle auch der Ortsname „Brunistat“, der heutige Ort. Das Zehntverzeichnis selbst entstand laut Heimatverein Bornstedt um 880 unter Abt Druogo des Klosters Hersfeld. Archäologische Funde zeigen Besiedlung bis in die Jungsteinzeit zurück.
Ab 1120 sind die Herren von Bornstedt als Burgherren urkundlich nachweisbar – ihr erster belegter Vertreter taucht als Zeuge bei der Gründung des Klosters Kaltenborn auf. 1115 hatte Kaiser Heinrich V. die Burg als Truppenstützpunkt während der Sachsenkriege genutzt, kurz vor der Schlacht am Welfesholz. Esico von Bornstedt gründete 1141 das Zisterzienserkloster Sittichenbach in der Nähe. Für eine Burg in einem kleinen Dorf ist das eine beachtliche Reichweite.

1202 verkauften die Herren von Bornstedt die Anlage an das Erzstift Magdeburg. Danach wechselte sie noch mehrfach den Besitzer, bis 1301 Graf Burchardt V. von Mansfeld die Burg kaufte; die Grafen von Mansfeld blieben fast 500 Jahre. Im 16. Jahrhundert bauten sie die Burg zur Residenz aus. Dann kam der Dreißigjährige Krieg, die Mansfelder verlagerten ihre Schwerpunkte an den Wiener Hof, und die Schweinsburg begann zu verfallen. Bereits 1708 wird von einem ruinösen Schlossgebäude berichtet; 1736 nennt ein Zeitgenosse nur noch das „ehemalige Schloss“. Der letzte Graf der Mansfelder Linie, Joseph Wenzel, starb 1780. Danach fiel Bornstedt an Kursachsen, später an Preußen.
1842 ließ die Regierung den Bergfried besteigbar machen: Eine Tür wurde eingebrochen, eine Holztreppe eingezogen. Damals wurden laut Heimatverein auch die steinernen Schweinsköpfe oben am Turm angebracht – als Wasserspeicher, in Anspielung auf die Sage, der der Turm seinen volkstümlichen Namen verdankt.
Woher der Name „Schweinsburg“ kommt
Der Name klingt zuerst etwas merkwürdig für eine mittelalterliche Reichsburg. Die Erklärung ist eine alte Sage: Bei einer Belagerung sollen die Verteidiger ihr letztes Schwein nicht geschlachtet, sondern täglich zum Quieken gebracht haben. Die Belagerer schlossen daraus, dass die Burg über üppige Vorräte verfüge und jeden Tag ein Tier geschlachtet werde. Sie zogen ab. Ob die Geschichte wahr ist, weiß niemand. Sie klingt aber gut, und sie hat der Burg ihren Namen gegeben – und offenbar auch die Schweinsköpfe, die seit 1842 oben am Turm sitzen.

Der Bergfried und seine Bewohner
Die Vorburg ist frei begehbar, ebenso der Bereich entlang der Schildmauer. Der Bergfried ist unten quadratisch, mit einer Grundfläche von neun mal neun Metern, und geht dann in halber Höhe in eine runde Form über. Der Turm selbst war verschlossen – er gehört den zahlreichen Dohlen. Ein ganzer Schwarm saß auf dem Mauerwerk, flog immer wieder ein paar Runden um den Turm und kehrte dann auf dieselben Plätze zurück. Als wollten sie prüfen, ob wir auch wirklich wieder gehen.

Auf dem Burghof gibt es einiges zu entdecken, wenn man genauer hinschaut: einen Wappenstein mit der Aufschrift „Schloss Bornstedt, Wappen der ehemaligen Grafschaft Mansfeld und Querfurt“, eine alte Glocke, Steinreliefs im Sandsteinmauerwerk. Tische, Bänke und eine Bühne stehen bereit – seit 1949 findet hier das Bornstedter Dorffest statt, seit 1969 als Heimatfest. Kein Museum, kein Eintritt, keine Audioführung. Man schaut einfach.
Vom Rand der Schildmauer sieht man direkt hinunter ins Dorf und dann weit über die Felder: Windräder, braune und grüne Äcker, und am Horizont die unverwechselbaren Silhouetten des Mansfelder Kupferbergbaus. Zwei kegelförmige Abraumhalden, die sogenannten Pyramiden, stechen heraus, dazu ein Förderturm. Ganz am Horizont, in südlicher Richtung, der Kyffhäuser mit dem Denkmal. An einem klaren Tag wie unserem war das alles scharf zu sehen.

Im Wald, in der Sonne
Nach der Burg sind wir noch eine Weile durch den Wald gelaufen. Ende März, die Buchen noch ohne Blätter, das Licht fiel deshalb weit zwischen die Stämme. Diese Zwischenzeit kurz vor dem Frühjahr hat etwas Eigenes: alles steht kurz vor dem Losbrechen, aber noch ist es ruhig.
„Ottos Hütte“ war laut Beschilderung unserer Ziel. Was genau die Hütte ist, wer Otto und wo sie zu finden ist – wir werden es wohl nie erfahren. Auf „Johannas Weg“ ging es schließlich weiter und irgendwann am Sportplatz zurück zur Burg.
Danach haben wir uns in die Sonne gesetzt. Kein großes Drama, aber genau das Richtige für einen Nachmittag Ende März.
Wer im April kommt, hat noch ein zusätzliches Highlight: Entlang der schmalen, kurvenreichen Auffahrt vom Dorf zur Burg blühen die Adonisröschen, Adonis vernalis, in einem satten Gelbgold. Ende März standen sie bereits in voller Blüte. Die Hauptblüte liegt laut Naturschutzquellen um Mitte April.
Wer nach dem Burgbesuch noch durch das Dorf läuft oder fährt, findet weitere Kulturdenkmale: die Kirche St. Pankratius im Ortszentrum, deren Turm aus dem Mittelalter stammt und deren Kirchenschiff von 1902 bis 1904 neugotisch neu gebaut wurde, dazu ein Backhaus von 1812 und ein alter Bauernstein. Auffällig auch der Gutshof am Ortsrand, daneben ein paar verlassene Gehöfte, die auf eine andere Zeit hinweisen.
Die Ruine ist frei zugänglich, der Weg vom Ort lässt sich nicht verfehlen.
Warst du schon mal in Bornstedt oder kennst du andere vergessene Burgen im Mansfelder Land? Was haben wir bei unserem Tagesausflug hierher verpasst. Schreib es in die Kommentare.



