Halle Silberhöhe: Die alten und neuen Straßennamen
Die alten und neuen Straßennamen der Silberhöhe in Halle (Saale) im Vergleich - aus DDR-Zeiten und heute, mit Zuordnung zu den Wohnkomplexen WK 1 bis WK 8.
Halle (Saale)
Daniel Weihmann13. Februar 2017aktualisiert 30. Mai 2026
In den sozialen Netzwerken kommt immer wieder die Frage hoch: wie hieß diese oder jene Straße auf der Silberhöhe zu DDR-Zeiten, oder wie heißt sie heute? Ich habe mich hingesetzt und die Straßenzüge der Vorwendezeit mit den heutigen verglichen.
Die nachfolgende Tabelle ist über die Jahre durch Kommentare ergänzt worden - ein offenes Dokument, das immer noch wächst. Gegliedert ist sie nach den acht Wohnkomplexen (WK 1 bis WK 8), wie sie die DDR-Stadtplanung definiert hat.
Jessener Straße, Staßfurter Straße, Roßlauer Straße
2, 3
Straße der Zukunft
Ascherslebener Straße
3
Straße der Nation
Querfurter Straße, Wernigeröder Straße
3
Straße der Jungen Pioniere
Zeitzer Straße, Wettiner Straße
3
Interkosmosstraße
Stendaler Straße
3
Werner-Lamberz-Straße
Anhalter Platz
6
Werner-Lamberz-Straße
Silbertalerstraße
6
Friedrich-Ebert-Straße
Kreuzerstraße
6
Bernhard-Koenen-Straße
Brühlstraße, Dukatenstraße
6
Otto-Nuschke-Straße
Guldenstraße, Joachimstalerstraße
6
Albert-Norden-Straße
Schilfstraße, Riedweg
8
Otto-Winzer-Straße
Am Hohen Ufer
8
Franz-Mohr-Straße
Kaiserslauterer Straße, Karlsruher Allee
5, 8
Gerhard-Grüneberg-Straße
Wörlitzer Straße
3
Die Muster der DDR-Namensgebung
Wenn man die Tabelle durchgeht, fallen drei Sorten von Straßennamen auf:
Ideologische Themen-Straßen
"Straße der Aktivisten", "Straße der Neuerer", "Straße des Aufbaus", "Straße der Jungen Pioniere", "Allee der Kinder". Diese wurden alle 1990/91 in geographische Namen umbenannt - meist nach Städten in Sachsen-Anhalt (Freyburg, Weißenfels, Wittenberg, Ascherslebener, Wernigerode, Stendal...) oder Bundesländern (Kaiserslautern, Karlsruhe).
DDR-Politiker und -Funktionäre
Walter Ulbricht, Wilhelm Pieck, Friedrich Ebert (jedenfalls jener Ebert), Otto Nuschke, Otto Winzer, Bernhard Koenen, Albert Norden, Werner Lamberz, Gerhard Grüneberg, Franz Mohr. Alle weg - meist ersetzt durch neutrale, zum Teil historische lokale Namen (Erhard Hübener war Ministerpräsident Sachsen-Anhalts 1946-1949, Friedrich Hesekiel war hallischer Pfarrer).
Internationalistische Stadtnamen
Hanoier Straße, Coimbraer Straße, Dresdener Straße. Diese blieben - sie verwiesen ja nicht auf SED-Personal, sondern auf Geographie.
Warum Hanoi und Coimbra?
Hanoi
Zur Bauzeit der Silberhöhe (Ende der 1970er) war Hanoi die Hauptstadt eines sozialistischen "Bruderstaates". Vietnam hatte gerade den Krieg gegen die USA gewonnen, die Wiedervereinigung war 1976 abgeschlossen. In vielen DDR-Städten gab es entsprechende Solidaritätsbekundungen - mit Namensgebungen, Patenschaften und Hilfsaktionen.
Coimbra
Eine Universitätsstadt in Portugal. Nach der Nelkenrevolution 1974 stand Portugal kurz vor einer linken Wende, und die DDR pflegte enge Beziehungen zur portugiesischen Kommunistischen Partei. Daraus folgte der Name in einem neuen Wohngebiet.
Diese internationalistischen Namen waren nach 1990 politisch unverdächtig. Sie verwiesen nicht auf SED-Funktionäre, sondern auf Geographie - und blieben.
Straßenbahnlinien 1989
Laut Stadtplan von 1989 fuhren über die Silberhöhe:
Linie 3: Silberhöhe ↔ Trotha
Linie 8: Silberhöhe ↔ Kröllwitz
Linie 12: Silberhöhe ↔ Thälmannplatz (heute Riebeckplatz)
Linie 13: Silberhöhe ↔ Heide
Buslinie H: Richtung Ammendorf, Osendorf bis Döllnitz
Buslinie M: Richtung Industriestraße
S-Bahn: Dölau ↔ Trotha, 20-Minuten-Takt
Linie 3 Haltestellen (Beesen → Trotha)
In einem Kommentar hat Alexia die alten Haltestellennamen rekonstruiert (vielen Dank!). Hier die Linie 3 vom Endpunkt Beesen Richtung Stadt:
Beesen
Hanoier Straße
Werner-Lamberz-Straße (heute Anhalter Platz)
Straße des Roten Oktober (heute Gustav-Staude-/Wilhelm-von-Klewitz-Straße)
S-Bahn Brühlstraße
Straße der Weltjugend (heute Freyburger/Weißenfelser Straße)
Veszpremer Straße
Moskauer Straße
Paul-Suhr-Straße
Juri-Gagarin-Allee (heute Vogelweide)
Ab Vogelweide sind die Haltestellen unverändert geblieben bis Trotha.
Silberhöhe in Zahlen (DDR-Zeit)
Postleitzahl: 4070 (Halle 70)
Bauzeit: ab 1979, Plattenbau-Großwohnsiedlung
Einwohner-Spitze: rund 35.000 (heute gut 12.000 nach Stadtumbau und Abrissen)
Telefonzellen: 35 öffentliche, im Stadtplan verzeichnet
Gaststätten: 2
Postämter: 2
Jugendclubs: mindestens 3 (Lampe, Neuerer und Bummi)
Kaufhallen: mehrere im Wohngebiet verteilt
Wohnkomplexe: WK 1 bis WK 8
Die Schul-Namensgeber: Brecht, Wolf, Thälmann
Auf der Silberhöhe standen mindestens drei Schulen, die nach DDR-typischen Persönlichkeiten benannt waren:
- POS Bertholt Brecht (6. POS), nach dem Dichter und Dramatiker Bertolt Brecht (1898-1956). Eröffnet 1982. Heute Grundschule Hanoier Straße.
- POS Konrad Wolf (7. POS), nach dem DDR-Filmregisseur Konrad Wolf (1925-1982, "Solo Sunny", "Ich war neunzehn"). Etwas später fertiggestellt. Nach 1990 teilweise abgerissen.
- POS Ernst Thälmann (im WK 1, in der Ecke Rosengarten/Robinienweg). Wurde in einem Kommentar von Susanne erwähnt - hier suche ich noch nach Foto-Material und Belegen.
Eine Postkarte von 1986
Handgemachte Postkarte in der Dunkelkammer aus 10 Einzelbildern - Eindrücke der damaligen Silberhöhe, zusammengestellt von Dr. Hartmut Leipziger 1986.
Silberhöhe heute auf der Karte
Heute hat Halle Silberhöhe durch Stadtumbau und Abrisse deutlich weniger Bewohner - gut 12.000 statt der ursprünglich geplanten 35.000. Mehrere Hochhäuser sind in den 2000er Jahren gefallen, darunter die markanten Punkthochhäuser. Meine Fotos von 2005 zeigen, wie das Wohngebiet aussah, bevor der Stadtumbau richtig griff. Die ehemalige POS Konrad Wolf ist heute teilweise die Grundschule Hanoier Straße.
Karte einblenden
Die Karte stammt von OpenStreetMap. Mit dem Klick werden Daten (u. a. deine IP-Adresse) an osm.org übertragen.
Diese Übersicht ist ein offenes Dokument. Mehrere Ergänzungen kamen über die Jahre aus den Kommentaren - Christian-Jörg wies auf die fehlende Friedrich-Fubel-Straße hin (jetzt drin), Alexia rekonstruierte die Linie-3-Haltestellen, Antje und Falk ergänzten Erinnerungen zu den POS Brecht und Wolf.
Wenn du mehr weißt - alte Stadtpläne, Fotos, vergessene Straßenzüge, Anekdoten - schreib unten einen Kommentar oder mail mir. Urheber-/Nutzungsrechte vorausgesetzt baue ich es gerne ein.
Kommentare (16)
Susanne Wenzel
Hi, ich habe gerade deinen Artikel gelesen. Ich selbst habe mal auf der Silberhöhe gewohnt und musste mit Erschrecken feststellen, dass ja kaum noch was da ist. Gibt es in deinem Fundus noch ne Karte aus den 80'ern? Speziell interessiert mit die Ecke um die Straßen: Am Rosengarten und Robinienweg und die ehemalige POS Ernst Thälmann. Hiervon könnte ich noch alte Fotos von meiner Einschulung zur Verfügung stellen.
Lieben Gruß
Susanne Wenzel
Christian-Jörg Pfanne
Sehr guter Beitrag
Hab aber eine Anmerkung, unter dem Punkt Strasse der Aktivisten haben sie die jetzige Friedrich-Fubel Strasse vergessen....
Hab dort in meiner Kindheit bis zum erwachsen werden gewohnt..... Sehr sehr schöne Zeit gewesen..... Bin immer im Bummi und ab und an im neurer gewesen....
Lg Chris
Danke für den Hinweis, die Friedrich-Fubel-Straße ist jetzt nachgetragen.
Jacqueline Kansy
Sehr, sehr interessant ☺- echt.
In der Herrmann-Heidel- Straße war eine Schule. Kann sich noch jemand erinnern wie die Schule hieß?
Mein Kind war ein paar Jahre dort. Ich habe aber keine Erinnerung mehr welchen Namen sie Schule hatte.
Grüße aus Dieskau, Jacqueline
Manuela Stark
Sie hieß einst Dr. Ference Münnich, dann Dotothea Erxleben bis sie dann zusammengelegt wurde zur Makarenko
Gerd Frohberg
die Jessener Straße hieß auch Straße der Solidarität
Beate Bohne
Vielen Dank für Informationen zur Silberhöhe. Ich habe selbst dort in den 80iger Jahren gewohnt. Bitte können Sie mir sagen, was aus der POS In der "Sraße der jungen Pioniere" geworden ist? Vielen Dank im Voraus und viele Grüße
🙋, habe nach einer hitzigen Diskussion mit meiner Freundin Deinen tollen Beitrag gefunden. Zur Erklärung: Habe bis Februar 1990 auf der Silberhöhe gelebt. Jetzt hat meine Freundin behauptet, daß es schon zu DDR-Zeiten den Anhalter Platz gab🤔 ist das so? Ich kann mich überhaupt nicht erinnern! Vllt kannst Du mir helfen 🙏
Mit lieben Grüßen Helga
Der Name "Anhalter Platz" passt nun gar nicht zur DDR. Eher hätte dieser wohl "Platz der sozialistischen Freiheitskämpfer" oder ähnlich gehießen. Aber Anhalt oder Sachsen-Anhalt war vor 1990 kaum jemanden ein Begriff.
Schaut man sich einen Stadtplan von vor der Wende an, dann war dieser Platz rund um die Straßenbahnhaltestelle nicht als Straßenname benannt. Er lag zwischen der Straße der Nation und der Hanoier Straße sowie der Werner-Lamberz-Straße.
Ich weiß leider auch nicht mehr, wie die Haltestelle damals hieß. So oft gehört und doch vergessen ... Oder war das nicht die Hanoier Straße und die nächste in Richtung Beesen Brühlstraße?
Der Anhalter Platz, wie auch die Straßenbahn Haltestelle waren Werner-Lamberz-Strasse
Alexia
Straßenbahn Haltestellen von Beesen Richtung Trotha Linie 3
Beesen
Hanoier Straße
Werner-Lamberz-Straße
Straße-des-roten-Oktober
S-Bahn Brühlstaße
Straße-der-Weltjugend
Veszpremer Straße
Moskauer Straße
Paul-Suhr-Straße
Juri-Gagarin-Allee....
Nach Juri Gagarin heute Vogelweide blieben die Haltestellen bis Trotha gleich
Danke für die Infos. Ich hatte das alles bereits irgendwie verdrängt :)
Holger
Da werden schöne Erinnerungen wach. Wo jetzt der Anhalter Platz ist, war früher eine Fahrstraße. Das letzte Stück biss zur Kurve an der jetzigen Gustav-Staude-Straße ging es steil bergauf, eine wunderschöne Sprungschanze für das Auto. Ich hab da immer Gas gegeben und bin ein kleines Stück geflogen um dann in der jetzigen Gustav-Staude-Straße wieder zu landen.
Damals war in der Ecke alle anders. Wo jetzt der Toom Baumarkt ist, war eine Altstoff-Annahmestelle, hieß damals Sero. Wie die Straßenführung von dort bis zu der beschriebenen "Sprungschanze" war kann ich mich nicht mehr erinnern.
Nach meiner Schulzeit zogen wir in die Straße der Zukunft. Damals musste ich jeden Tag mit der Straßenbahn in die Stadt, aber es gab in der Silberhöhe noch keine Gleise. Da bin ich jeden Tag bis zur Haltestelle Moskauer Straße gelaufen. Das hielt fit. Soweit ich mich erinnern kann wurde die Straßenbahn 1982/83 in Rekordzeit gebaut. Am Ende halfen noch Soldaten der NVA beim stopfen des Schotters damit sie den Plan schafften.
Immer wieder schön, etwas von den alten Erinnerungen hier mitzubekommen. Auto durfte ich erst nach der Wende fahren, weiß also nichts von Sprungschanzen in der Gegend :)
Sven Thormann
Hallo,
bevor die (alten) Straßennamen vergeben wurden, gab es ja auf der Silberhöhe ganz zu Anfang nach Halle Neustädter Vorbild Blocknummern und Hausnummern.
Wir sind damals (1980) in die Straße der Zukunft gezogen, die da aber noch für kurze Zeit Blick- und Hausnummern trug.
Kann mir jemand sagen, wann die Nummerierung den Straßennamen weichen musste?
Kommentare (16)
Lieben Gruß
Susanne Wenzel
Hab aber eine Anmerkung, unter dem Punkt Strasse der Aktivisten haben sie die jetzige Friedrich-Fubel Strasse vergessen....
Hab dort in meiner Kindheit bis zum erwachsen werden gewohnt..... Sehr sehr schöne Zeit gewesen..... Bin immer im Bummi und ab und an im neurer gewesen....
Lg Chris
In der Herrmann-Heidel- Straße war eine Schule. Kann sich noch jemand erinnern wie die Schule hieß?
Mein Kind war ein paar Jahre dort. Ich habe aber keine Erinnerung mehr welchen Namen sie Schule hatte.
Grüße aus Dieskau, Jacqueline
Mit lieben Grüßen Helga
Schaut man sich einen Stadtplan von vor der Wende an, dann war dieser Platz rund um die Straßenbahnhaltestelle nicht als Straßenname benannt. Er lag zwischen der Straße der Nation und der Hanoier Straße sowie der Werner-Lamberz-Straße.
Ich weiß leider auch nicht mehr, wie die Haltestelle damals hieß. So oft gehört und doch vergessen ... Oder war das nicht die Hanoier Straße und die nächste in Richtung Beesen Brühlstraße?
In einem Video von TV Halle kann man hier noch etwas von den alten Straßennamen sehen: facebook.com/watch/?v=1198379134065471
Beesen
Hanoier Straße
Werner-Lamberz-Straße
Straße-des-roten-Oktober
S-Bahn Brühlstaße
Straße-der-Weltjugend
Veszpremer Straße
Moskauer Straße
Paul-Suhr-Straße
Juri-Gagarin-Allee....
Nach Juri Gagarin heute Vogelweide blieben die Haltestellen bis Trotha gleich
Damals war in der Ecke alle anders. Wo jetzt der Toom Baumarkt ist, war eine Altstoff-Annahmestelle, hieß damals Sero. Wie die Straßenführung von dort bis zu der beschriebenen "Sprungschanze" war kann ich mich nicht mehr erinnern.
Nach meiner Schulzeit zogen wir in die Straße der Zukunft. Damals musste ich jeden Tag mit der Straßenbahn in die Stadt, aber es gab in der Silberhöhe noch keine Gleise. Da bin ich jeden Tag bis zur Haltestelle Moskauer Straße gelaufen. Das hielt fit. Soweit ich mich erinnern kann wurde die Straßenbahn 1982/83 in Rekordzeit gebaut. Am Ende halfen noch Soldaten der NVA beim stopfen des Schotters damit sie den Plan schafften.
bevor die (alten) Straßennamen vergeben wurden, gab es ja auf der Silberhöhe ganz zu Anfang nach Halle Neustädter Vorbild Blocknummern und Hausnummern.
Wir sind damals (1980) in die Straße der Zukunft gezogen, die da aber noch für kurze Zeit Blick- und Hausnummern trug.
Kann mir jemand sagen, wann die Nummerierung den Straßennamen weichen musste?
LG
Sven