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Swinemünde: zwei Tagesausflüge mit der Bäderbahn

Zweimal von Kölpinsee mit der Usedomer Bäderbahn nach Świnoujście, im Juli 2025 und im Juli 2026. Mühlenbake, Hafen, Plattenbau und Promenade, dazu alles Praktische zur Anreise, zum Bezahlen und zur Verständigung.
Swinemünde: zwei Tagesausflüge mit der Bäderbahn
Świnoujście

Mit dem Zug (k)eine halbe Stunde, und man ist im Ausland.

Wer auf Usedom Urlaub macht, hat die polnische Grenze immer im Rücken oder, je nach Sichtweise, vor der Brust. Irgendwann fährt man dann einfach mal hin.

Wir haben das zweimal gemacht, im Juli 2025 und noch einmal fast genau ein Jahr später. Beide Male war die Sache unkomplizierter, als sie vorher klang.

Wie man von Usedom nach Świnoujście kommt

Unser Ausgangspunkt war beide Male Kölpinsee, ungefähr in der Mitte der Insel. Von dort fährt die Usedomer Bäderbahn, kurz UBB, die Küste entlang nach Osten: Zinnowitz, Zempin, Koserow, dann die Kaiserbäder Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck, und über die Grenze weiter bis Świnoujście Centrum. Die Bahn hält an jedem Ort, das ist keine Schnellverbindung, aber von Kölpinsee aus ist man in einer guten halben Stunde da.

Gefahren wird im Halbstundentakt, im Sommer entsprechend voll. Wie voll, hat sich zwischen den beiden Jahren deutlich unterschieden: 2025 war die Hinfahrt unkritisch, 2026 haben wir gerade noch vereinzelte Plätze gefunden, viele andere standen aber, und das schon vor der Grenze. Auf dem Rückweg stellt sich die Frage nicht, weil Świnoujście Centrum Endstation und damit Startbahnhof ist. Wer dort einsteigt, bekommt ohne Weiteres einen Sitzplatz.

Ums Ticket mussten wir uns gar nicht kümmern. Die Fahrt war bei uns über die Kurkarte abgedeckt, das ist auf Usedom je nach Unterkunft und Ort geregelt und lohnt sich, weil man dann ohnehin ständig mit der Bahn unterwegs ist. Wer das nicht hat: Das Deutschland-Ticket wird auf der Strecke anerkannt, und zwar bis zur Endstation Świnoujście Centrum. Ein Extra-Ticket für den polnischen Abschnitt braucht man also so oder so nicht.

Kirche mit grün gedecktem Spitzturm in Świnoujście
Kurz nach der Ankunft, noch bahnhofsnah. Der grüne Spitzturm ist von weitem zu sehen.

Ausgestiegen sind wir jedes Mal in Świnoujście Centrum, und ab da ging es zu Fuß weiter. Das funktioniert, die Wege in der Stadt sind kurz genug, und man sieht dabei mehr als aus dem Bus. Grenzkontrolle gab es keine, man merkt schlicht am Ortsschild und an den Beschilderungen, dass man in einem anderen Land ist.

Juli 2025: bis zur Mühlenbake hinaus

Der erste Ausflug fing mit ergiebigem Regen an. Wir haben ihn beim Mittagessen in einem Restaurant an der Strandpromenade ausgesessen, was die entspannteste Lösung war, und sind erst danach wieder raus.

Das hat sich am Ende ausgezahlt. Auf der Promenade standen überall Pfützen, und genau die haben den Nachmittag fotografisch gerettet. Die großen Hotelbauten spiegelten sich darin, und das ist ein Motiv, das man an einem trockenen Tag nie bekommt.

Hotelfassade in Świnoujście, gespiegelt in einer Regenpfütze auf der Promenade
Nach dem Regen. Die Pfützen auf dem Plattenweg spiegeln die Hotelfront.

Von der Promenade sind wir nach Osten Richtung Hafeneinfahrt gelaufen. Dort steht der Turm der Hafenaufsicht am Strand, und dahinter öffnet sich der Blick über die Mündung der Swine. Auf der anderen Seite arbeiten die Kräne des Hafens, und dazwischen ragt der Leuchtturm heraus.

Der ist auch ohne Besuch eine Erwähnung wert. Mit rund 65 Metern ist er der höchste Leuchtturm Polens und zugleich der höchste aus Backstein gemauerte Leuchtturm überhaupt. Der heutige Bau geht auf 1857 zurück. Er steht drüben in Warszów, also auf der anderen Seite der Swine, und ist begehbar.

Blick über die Hafeneinfahrt von Świnoujście mit Hafenkränen und dem Leuchtturm
Über die Hafeneinfahrt hinweg: Kräne, Kaianlagen und links der Leuchtturm.

Das eigentliche Ziel lag aber weiter draußen. Die Mühlenbake, auf Polnisch Stawa Młyny, steht am Ende der Mole und ist das Wahrzeichen der Stadt. Sie sieht aus wie eine kleine weiße Windmühle mit schwarzem Dach, ist rund zehn Meter hoch und wurde 1873 und 1874 gebaut. Ein Leuchtturm ist sie nicht, sie diente als Seezeichen für die Einfahrt.

Der Weg dorthin führt über den flachen Molenkopf, und auch hier standen nach dem Regen noch Wasserflächen. Das ergibt eine Spiegelung, die den ganzen Bau noch einmal verdoppelt. Wer im Sommer hinausgeht, ist selten allein, ein paar Leute laufen immer den Steinweg entlang.

Die Mühlenbake Stawa Młyny in Świnoujście, gespiegelt in Pfützen auf der Mole
Die Mühlenbake am Ende der Mole. Die Pfützen liefern die Spiegelung gratis dazu.

Während wir dort standen, lief ein Ausflugsschiff im Piratenlook aus der Einfahrt. Solche Touren gehören zum festen Angebot der Küstenorte, und für ein Foto kommen sie einem sehr gelegen: erst die weiße Bake, dann das dunkle Schiff dahinter.

Zurück ging es am Strand entlang. Der ist hier sehr breit und sehr flach, dahinter steht durchgehend Kiefernwald. Vom Regen des Vormittags war da nichts mehr zu merken. Es war gut besucht, aber nicht überfüllt, so wie man sich das an einem Julinachmittag vorstellt.

Breiter Sandstrand von Świnoujście mit Spaziergängern an einem Julitag
Der Strand ist breit und flach, dahinter steht Kiefernwald.

Juli 2026: Hafen, Platte und Promenade

Beim zweiten Besuch war das Wetter besser und die Stadt deutlich voller. Nicht nur die Bahn war gut ausgelastet, auch in Świnoujście selbst waren spürbar mehr Menschen unterwegs als im Jahr davor.

Diesmal sind wir eine andere Route gelaufen: vom Bahnhof durch die Altstadt, dann hinunter zum Hafen, weiter durch den Kurpark und erst am Ende an die Promenade. Das ist der Weg, der die Stadt zeigt statt nur die Strandseite, und er dauert entsprechend länger.

Am Hafen steht man an der Swine, also am Wasser mitten in der Stadt statt an der offenen Ostsee. Dort liegt die Kaianlage, an der die Flusskreuzfahrer festmachen, und man hat den Blick über den Fluss auf die gegenüberliegende Seite.

Flusskreuzfahrtschiff am Kai an der Swine in Świnoujście
Am Kai an der Swine. Hier machen die Flusskreuzfahrer fest.

Ein paar Schritte weiter wird klar, dass Świnoujście nicht nur Seebad ist. Am Ufer liegen Schiffe der polnischen Marine, die Stadt ist Standort der Küstenverteidigungsflottille. Ein Stück weiter dominiert der rot-weiß geringelte Schornstein des Heizkraftwerks die Silhouette, und dahinter beginnt die Wohnstadt.

Schiffe der polnischen Marine im Hafen von Świnoujście
Die andere Seite der Stadt: Marinehafen statt Strandkorb.

Und damit sind wir bei dem Teil, den ich persönlich immer gern mitnehme. Hinter der Uferzone stehen die Plattenbauten, elf Geschosse hoch, mit orange gestrichenen Balkonreihen, davor ein Flachbau mit dem üblichen kleinen Nachbarschaftsladen. Das ist keine Postkartenansicht, aber es ist die Stadt, in der die Leute tatsächlich wohnen, und mir gefällt so etwas.

Plattenbauzeile mit orangen Balkonen in Świnoujście, davor ein kleiner Laden
Elf Etagen, orange Balkone, unten der Laden für den täglichen Bedarf.

Hinter den Wohnblocks führte der Weg in den Kurpark und von dort auf die Promenade, also in den Teil, den die meisten Tagesgäste als erstes ansteuern. Sie ist breit angelegt, gesäumt von großen Hotels, und war an diesem Nachmittag entsprechend belebt. Genau dieses Bild steht oben über dem Artikel. Wer es ruhiger mag, geht ein paar hundert Meter weiter nach Westen, dort wird es schnell dünner.

Bezahlen, Sprache, Wege

Die drei Fragen, die man sich vor so einem Tagesausflug stellt, haben sich beide Male von selbst erledigt. Die wichtigste zuerst.

Bezahlen in Polen: Karte ja, aber immer in Zloty

Karte geht überall. Im Restaurant, im Eiscafé, beim Einkaufen, wir haben durchgehend mit Visa gezahlt und hatten nirgends ein Problem. Zloty in bar braucht man dafür nicht extra zu besorgen. Wer nur eine Girocard einstecken hat, sollte vorher nachsehen, ob sie ein internationales Zeichen wie Visa Debit oder Debit Mastercard trägt. Ohne das nützt sie im Ausland wenig.

Eine Sache lohnt dabei die Aufmerksamkeit. Das Kartenterminal fragt oft, ob in Euro oder in Zloty abgerechnet werden soll, und die Antwort ist immer Zloty. Wer Euro wählt, überlässt die Umrechnung dem Anbieter des Terminals vor Ort, und dessen Kurs ist regelmäßig schlechter als der, den die eigene Bank ansetzt. Bei einem Eisbecher fällt der Aufschlag kaum auf, über einen Tag mit Mittagessen und Einkauf summiert er sich.

Am Geldautomaten gilt genau dasselbe: immer in Landeswährung abheben und die angebotene Umrechnung ablehnen.

Wie weit man mit Euro in bar kommt, haben wir nicht wirklich getestet, weil wir ja alles mit Karte gezahlt haben. An der Toilette an der Strandpromenade wurden Euro jedenfalls anstandslos genommen. Ein paar Münzen in der Tasche schaden also nicht.

Sprache: Auf Deutsch kam man gut durch. In den Lokalen, in den Geschäften und dort, wo es um Touristen geht, versteht man sich ohne Weiteres. Das ist in einer Stadt, die direkt an der Grenze liegt und seit Jahrzehnten deutsche Gäste hat, auch wenig überraschend. Ein paar Brocken Polnisch schaden nie, nötig waren sie nicht.

Wege: Vom Bahnhof Centrum kommt man zu Fuß überall hin, wo man als Tagesgast hinwill. Bis zur Promenade und zum Strand sind es je nach Ziel zwei bis drei Kilometer, und der Weg führt durch die Stadt statt an ihr vorbei. Wer weniger laufen möchte, nimmt den Stadtbus oder ein Taxi, aber zu Fuß sieht man eben mehr.

Was ich beim nächsten Mal anders machen würde

Zwei Dinge sind offen geblieben. Der Leuchtturm drüben in Warszów lässt sich besteigen, wir waren nie oben. Und der Świna-Tunnel, seit 2023 in Betrieb, verbindet die beiden Stadtteile inzwischen unter dem Fluss hindurch, statt dass man die Fähre nimmt. Beides wäre ein guter Grund für einen dritten Ausflug.

Fotografisch war der wechselhafte Tag 2025 der ergiebigere. Nasser Boden ist auf einer Mole und auf einer gepflasterten Promenade ein Geschenk, und Wolken geben dem Himmel Struktur, die ein blanker Sommerhimmel nicht hat. Der Sonnentag 2026 hat dafür die Stadt besser gezeigt, weil die Farben von Platte, Schornstein und Wasser sich klarer abheben.

Die Bilder von 2025 sind mit einem Pixel 7 Pro entstanden, die von 2026 mit einem Pixel 10 Pro XL. In beiden Fällen einfach aus der Hand, ohne Stativ, ohne Nachbearbeitung außer dem Beschnitt.

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