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Die Schlossruine Putzar: zwei Renaissancebauten in einem alten Park

Ulrichsbau und Joachimsbau stehen seit Jahrhunderten in einem Dorf mit gut 200 Einwohnern. Warum hier nie eine Burg gebaut werden durfte und wie es im Park heute aussieht.
Die Schlossruine Putzar: zwei Renaissancebauten in einem alten Park
Putzar

Ich hatte einen Nachmittag Zeit, war in Anklam und wollte raus aus der Stadt. Irgendwas im Umland entdecken. Ein Blick auf die Karte, gut zwanzig Minuten südlich eine Schlossruine, also hin.

Was dort steht, ist ein Schloss, obwohl es eigentlich eine Burg hätte werden sollen. Der Grund dafür ist über siebenhundert Jahre alt.

Anfang August, gut zwanzig Grad, ein paar Wolken. Im Dorf ist niemand unterwegs. Was man hört, sind Vögel, Grillen und ein Falke, der über der Ruine kreist und dabei sein "typ-typ-typ" ruft.

Putzar liegt im Landkreis Vorpommern-Greifswald, hat gut zweihundert Einwohner und ist seit 2012 ein Ortsteil von Boldekow. Es gibt hier zwei Dinge zu sehen, und beide stehen dicht beieinander: eine Schlossruine mit Park und eine mittelalterliche Feldsteinkirche.

Der Weg hinein führt zwischen zwei alten Ziegelpfeilern hindurch, deren Felder mit Feldstein ausgemauert sind. Ein Tor hängt da längst nicht mehr, nur ein verblasstes rundes Schild an einem der Pfeiler. Dahinter beginnt sofort der Park.

Zwei gemauerte Torpfeiler aus Ziegel mit Feldsteinfüllung, dazwischen ein Feldweg in den Park von Putzar
Die Toreinfahrt. Zwei Fahrspuren im Gras, mehr braucht es nicht.

Warum hier nie eine Burg stehen durfte

Die Geschichte fängt mit einem Kompromiss an. 1306 wird Putzar erstmals urkundlich erwähnt, als Rittergut derer von Schwerin und ausdrücklich als Grenzort. Der Landgraben, der hier verläuft, bildete die Grenze zwischen Pommern und Mecklenburg.

Und genau deshalb steht hier keine Burg. Die Herzöge Heinrich von Mecklenburg und Otto I. von Pommern einigten sich darauf, dass an dieser empfindlichen Stelle keine Befestigung entstehen dürfe. Erlaubt war nur ein Schloss. Den Schutz übernahm stattdessen die Landschaft: Der Putzarer See und ein umlaufender Wassergraben machten den Herrensitz bis etwa 1840 nur über eine Zugbrücke erreichbar.

Der Ulrichsbau

Um 1550 beginnt Ulrich von Schwerin, Großhofmeister und von 1500 bis 1575 gelebt, mit dem Bau. Was entsteht, ist ein Rechteckbau der Renaissance aus Feldstein, mit rundbogigem Stabwerkportal und Vorhangbogenfenstern. 1753 setzt man eine dritte Etage auf.

Schon im 18. Jahrhundert setzt der Verfall ein. Bis etwa 1930 wird die Ruine wenigstens gepflegt, danach sacken die Fundamente ab und das Dach stürzt ein. Heute hält ein Notdach aus Wellblech auf einer Stahlkonstruktion das Wetter von den Mauerkronen fern. Es sieht provisorisch aus, und genau das ist es auch, aber ohne dieses Dach wäre vermutlich deutlich weniger übrig.

Der Ulrichsbau in Putzar von unten fotografiert, mit Wellblech-Notdach auf Stahlgerüst
Wellblech auf Stahl. Schön ist anders, aber es hält das Wasser von den Mauerkronen fern.

Von einer Seite ist die Anlage besonders gut zu überblicken. Dort steht die Wand fast in voller Länge, mit dem rundbogigen Portal in der Mitte, das die Schautafeln beschreiben. Links und rechts davon sitzen Fensternischen im Feldsteinmauerwerk, sauber mit Ziegeln eingefasst. Der Rasen davor ist gemäht, das Ganze wirkt fast wie eine Kulisse. Genau diese Ansicht steht oben über dem Artikel.

Ein Trampelpfad führt ins Innere. Ein Schild, das das verbietet oder vor Einsturz warnt, habe ich nicht gefunden. Drinnen wächst Gras, wo einmal Böden waren, und auf den Mauerkronen stehen kleine Bäume.

Blick in das dachlose Innere des Ulrichsbaus, Gras und junge Bäume wachsen zwischen den Mauern
Innen ist der Bau längst Wiese. Die Rundbogenfenster stehen noch, dahinter beginnt der Park.

An anderer Stelle steht man zwischen beiden Bauten und sieht, wie sie zusammenhängen: vorn zwei große Bogenöffnungen, durch die der Park hindurchschaut, dahinter die lange Innenwand des Nachbarflügels und ganz hinten die Kante des Notdachs.

Zwei große Bogenöffnungen im Inneren der Schlossruine Putzar mit Blick in den Park
Zwischen den Bauteilen. Rechts hinten sieht man das Notdach des Ulrichsbaus.

Die eindrucksvollste Stelle ist eine, die man leicht übersieht. An einer Mauer steht ein alter, mächtiger Baum, der halb aus dem Mauerwerk herauszuwachsen scheint. Darunter ein vergitterter Durchgang. Wer schon einmal im Harz bei Thale unterwegs war, kennt solche Bilder.

Ein alter Baum wächst direkt an der Feldsteinmauer der Ruine, darunter ein vergitterter Durchgang
Der Baum und die Mauer haben sich arrangiert.

Der Joachimsbau

1580 fügt Joachim von Schwerin, der zweite Sohn Ulrichs, im rechten Winkel einen zweiten Bau an: zweigeschossig, verputzter Ziegel, Renaissancebauweise mit barockem Stuckgesims. Um 1750 wird er umfassend modernisiert und bleibt bis 1945 gräfliches Wohnhaus.

Der Joachimsbau in Putzar vom Park aus, mit Schutzdach über den Mauern
Der Joachimsbau vom Park aus. Auch er trägt inzwischen ein Schutzdach.

Nach 1945 zieht Wohnraum für Umsiedler und Flüchtlinge ein. Danach hört die Pflege auf, und was folgt, kennt man von vielen Gutshäusern im Nordosten.

Bemerkenswert ist, was im Keller passiert ist. Der Gewölbekeller des Joachimsbaus ist Winterquartier für Fledermäuse, konkret für Große Bartfledermaus und Fransenfledermaus. Alte, ungenutzte Keller bieten genau das, was die Tiere brauchen: feucht, kühl, frostfrei. Ein Brand und einbrechende Gewölbe hatten das zunichte gemacht, es zog durch, bei Frost sank die Temperatur unter null. 2005 und 2006 wurden die Gewölbe denkmalgerecht wiederhergestellt, initiiert von der NABU-Fachgruppe Fledermausschutz.

Der Park

Bis 1815 lagen hier Gärten und Felder. Dann wurden die alten Ställe abgerissen, das nahe Sumpfland trockengelegt und alles in einen Landschaftspark umgewandelt. Das Urmesstischblatt von 1835 zeigt diese Gestaltung, bis 1899 wurde weiter umgebaut. Der Park reichte historisch bis an die Wiesen am Putzarer See.

Verwildert wäre das falsche Wort für den heutigen Zustand. Was den Park prägt, sind alte, große Bäume, und die stehen so, wie sie gepflanzt wurden. Dazwischen laufen ein paar Pfade, der Rasen um die Gebäude wird gemäht, wenn auch nicht wöchentlich. Stellenweise steht das Gras etwas höher als nötig, das war es dann aber auch.

Zu den beiden Teichen bin ich nicht vorgedrungen. Dort ist es zugewachsen, das Gras stand hoch, und ich hatte die falsche Hose an. Die Teiche waren einmal miteinander verbunden, heute führen sie kein Wasser mehr.

Erkennbar sind auch die jüngeren Eingriffe: Neupflanzungen, Heckenlinien, eine Treppenwiese. Hier arbeitet jemand an einer Anlage, die deutlich größer ist als das, was ein Dorf mit zweihundert Einwohnern nebenbei stemmen kann.

Am schönsten zeigt sich das an einer Stelle, an der unter zwei mächtigen alten Bäumen drei Bänke stehen, mit Blick auf die Ruinenwand. Das ist keine Zufallsanordnung, das hat jemand so gewollt. Und es funktioniert: Man setzt sich hin, hört den Vögeln zu und schaut auf eine Wand, die seit fast fünfhundert Jahren steht.

Drei Bänke unter alten Bäumen im Park von Putzar mit Blick auf die Schlossruine
Drei Bänke, zwei alte Bäume, dahinter die Ruine. Mehr Programm braucht der Nachmittag nicht.
Remise mit Holztoren und große Feldsteinscheune am Wirtschaftshof in Putzar
Zum Ensemble gehören auch die Wirtschaftsgebäude.

Was am Schautafel-Bestand auffällt

Im Park stehen mehrere Tafeln, und ihr Zustand erzählt eine eigene Geschichte. Eine ist noch gut lesbar und liefert die komplette Chronologie. Eine zweite ist so verwittert, dass die untere Hälfte praktisch verschwunden ist. Wer die Anlage verstehen will, sollte sich an die erste halten.

Stark verwitterte Schautafel im Park Putzar, untere Hälfte kaum noch lesbar
Von dieser Tafel ist nur noch die obere Hälfte zu entziffern.

Auf einer der Tafeln klebt ein Zettel, mit dem Führungen durch die Dorfkirche angeboten werden. Der Kontakt steht dort vor Ort, samt QR-Code.

Praktisches

Von Anklam sind es gut zwanzig Minuten nach Süden. Die Anlage liegt mitten im Ort und ist frei zugänglich. Es gibt keinen Parkplatz im eigentlichen Sinne, aber im Dorf ist Platz genug und niemand, dem man im Weg steht.

Feste Zeiten gibt es nicht, das Gelände ist offen. Wer die Ruine betritt, tut das auf eigenes Risiko. Auch wenn kein Schild warnt: Das sind ungesicherte Mauern mit lockerem Bewuchs auf den Kronen, und die Sicherungsarbeiten sind erkennbar nicht abgeschlossen.

Für Fotos ist der Nachmittag nicht die beste Zeit. Die Sonne steht dann so, dass der Ulrichsbau von der Parkseite im Gegenlicht liegt. Wer die Fassaden ordentlich haben will, kommt besser am Vormittag oder in der letzten Stunde vor Sonnenuntergang.

In der Umgebung

Der Amtsbereich ist dichter besetzt, als man denkt. Wenige Kilometer entfernt liegt die Wasserburg Spantekow, zwischen 1558 und 1567 als Geschützfestung mit Feldsteinmauer, Kasematten und Wassergraben angelegt. Dazu kommen Schloss Zinzow, die Wasserburg Müggenburg von 1355 und mehrere Feldsteinkirchen aus dem 15. Jahrhundert.

Wer lieber ans Wasser will: Der Putzarer See ist Naturschutzgebiet, der Peisiner See liegt in der Nähe, und am Kiessee Wusseken gibt es im Sommer bewachtes Baden.

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